Mehr Unfälle auf Schweizer Strassen? – NEIN

Eine zweite Röhre wäre erst in zwanzig Jahren betriebsbereit. Mehr Sicherheit ist aber schon viel schneller realisierbar: mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, mit absenkbaren Leitplanken im Tunnel und mit technischen Verbesserungen an den Fahrzeugen.

Der Gotthardtunnel ist schon heute sicher

Der Bundesrat schreibt: „Der Gotthard-Strassentunnel ist einer der sichersten Abschnitte im Nationalstrassennetz.“ Er geht sogar noch weiter: „Die auf der Nationalstrasse vorhandenen Tunnel sind die sichersten Streckenabschnitte überhaupt.“ Das Risiko, im Gotthard in einen Unfall verwickelt zu werden, ist geringer als auf offener Strasse.

 

Die Statistiken reflektieren dies: Nur 0,26 Promille aller Unfälle seit 1980 sind im Gotthard passiert. Oder anders herum: 99,97 Prozent aller Unfälle in der Schweiz geschehen nicht im Gotthard. Auf den 17 Kilometern im Gotthard passieren nicht mehr Unfälle als auf den andern Strassenabschnitten der Schweiz (der Gotthard repräsentiert 0,24 Promille des Verkehrsnetzes). Nach dem verheerenden Lastwagenbrand von 2001 wurden im Gotthard-Strassentunnel zudem umfangreiche Massnahmen ergriffen. Die Zahl der Unfälle ist seither fast auf einen Viertel der früheren Werte zurückgegangen. Mit dem neuen Lüftungssystem wäre eine Katastrophe wie 2001 heute nicht mehr möglich, auch wenn die Befürworter der 2. Röhre und auch das ASTRA heute gerne mit den schrecklichen Bildern des brennenden Lastwagens Werbung für ihr Infrastrukturprojekt machen.

 

Die Probleme im Strassenverkehr liegen nicht am Gotthard: Während sich das Sicherheitsniveau für Personenwagen-Insassen markant verbessert hat, stagniert die Zahl der schweren Unfälle von Fussgängern und Radfahrern seit Jahren auf hohem Niveau. Dies schreibt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) im SINUS-Report vom November 2015. Um Fussgänger und Velofahrer besser zu schützen, braucht es laut bfu unbedingt eine Optimierung des Netzes und Verbesserungen an der Infrastruktur. Genau dort fehlt bei einem Bau der 2. Röhre aber das Geld! Rund die Hälfte der 50'000 Fussgängerstreifen in der Schweiz sind sanierungsbedürftig. Geschätzte Kosten, um alle sicher zu machen: 1,5 Milliarden Franken. Eine 2. Röhre kostet 3 Milliarden mehr als die Sanierung ohne 2. Röhre.

Mit 2. Röhre steigen die Unfälle auf Schweizer Strassen

Eine 2. Röhre macht die Strassen in der Schweiz unsicherer. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hat berechnet, dass 3 Prozent mehr Verkehr am Gotthard zusätzliche Unfälle ausserhalb des Tunnels bedeuten. Die effizienteste Massnahme zu einer weiteren Verbesserung der Sicherheit ist die vom Volk verlangte Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene. Denn zwei Drittel der tödlichen Unglücke seit 2002 sind auf Kollisionen mit Lastwagen zurückzuführen. Gemäss bfu trägt der Schwerverkehr sogar noch mehr Schuld: Zwischen 1992 und 2012 sind im Gotthard 91 Prozent der Personen bei Unfällen mit Lastwagen gestorben.

Sicherheit jetzt und in Zukunft

Ein richtungsgetrennter Gotthardtunnel ist mit 2. Röhre erst 2037 betriebsbereit. Die Sicherheit im Gotthard könnte man aber schon heute erhöhen. 

 

Schon heute verfügt der Gotthard-Strassentunnel über einen parallel verlaufenden Sicherheitsstollen. Mit der Sanierung wird die Decke des Strassentunnels höher, die Bankette auf der Seite breiter und die Farbe heller. Mit einer absenkbaren Mittelleitplanke, welche nur ein Dreissigstel einer 2. Röhre kosten würde, würden frontale Unfälle im besten Fall schon ab 2025 verhindert.

 

Schon heute könnten Autos der neusten Generation autonom auf der Autobahn fahren. Fast jedes Modell verfügt schon über Notbremssysteme, Überhol-Assistenten, adaptive Tempomaten und Spurhaltesystemebis 2035 wird etwas anderes absolut undenkbar sein. Seit 2015 müssen ausserdem alle in Verkehr gesetzten Lastwagen mit technischen Sicherheitssystemen wie Spurhalteassistenten oder Schnellbremsassistenten ausgerüstet sein. Die Gefahr von Frontalkollisionen durch menschliches Versagen ist in 20 Jahren praktisch ausgeschlossen. Das Bundesamt für Strassen ist übrigens selbst überzeugt, dass Fahrroboter bald besser fahren werden als jeder Mensch. Unsere Frage an das Bundesamt: Wofür denn dann noch eine 2. Röhre?